Dr. Maria Montessori und ihre Pädagogik

Maria Montessori wurde am 31.8.1870 in Chiaravalle in Italien geboren. Als erste italienische Frau schloss sie ihr Medizinstudium mit dem Doktortitel ab. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Klinik in Rom befasste sie sich ab 1896/97 erstmals mit pädagogischen Fragestellungen.

In den Schriften der französischen Ärzte J.M. Gaspard Itard und Edouard Seguin fand Maria Montessori Anregungen für ihre eigene Arbeit mit den geistigschwachen Kindern der Klinik. Auf der Basis der Intelligenzförderung durch Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen entwickelte sie ihre ersten didaktischen Entwicklungsmaterialien.

1902 begann sie ein Studium der Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie und setze sich für eine Sondererziehung von geistesschwachen Kindern ein.

Nach der Eröffnung des ersten Montessori-Kinderhauses, dem Casa dei bambini, am 6.1.1907 in Roms Elendsviertel San Lorenzo überprüfte und verfeinerte sie die Materialien und entwickelte Prinzipien und Konzepte, die heute durch die aktuelle Forschung und Lernpsychologie in ihrer Gültigkeit bestätigt werden.

Parallel zum Aufbau weiterer Kinderhäuser in Italien führte Maria Montessori Ausbildungslehrgänge zu ihrer Pädagogik zunächst in Italien und dann in zahlreichen Ländern der Welt durch. Hiermit begann die heute weltweit verbreitete Montessori-Bewegung.

Bis ins hohe Alter von 82 Jahren war M. Montessori unermüdlich tätig und setzte sich in Vorträgen, Lehrgängen und auf Kongressen für eine kindgemäße Erziehung und Bildung ein. Sie entwarf in ihren Ausführungen zur „Kosmischen Erziehung“ und dem „Erdkinderplan“ ein Konzept für eine ganzheitliche Förderung und Unterstützung vom Kleinkind bis zum 18jährigen hin zu einer mündigen, sozial reifen, verantwortungsvollen und engagierten Persönlichkeit.

Die Entwicklung eines Kindes ist immer eine Selbstentwicklung und diese muss durch die Erziehung unterstützt werden. So ist die Haltung des Erziehers/Lehrers gegenüber dem Kind durch eine verständnisvolle Orientierung am Kind gekennzeichnet.

Die Aufgabe der Eltern, Erzieher und Lehrer ist es, eine „vorbereitete“ Umgebung zu schaffen, in der Kinder und Jugendliche Anregungen finden und entsprechend nach ihren Entwicklungsbedürfnissen leben, arbeiten und spielen zu können. Erziehung wird als Hilfe zur Selbsthilfe erstanden: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Sensibles Beobachten und ein ausreichendes Wissen über die Entwicklungsabschnitte und –bedingungen befähigen den Erwachsenen, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung des heranwachsenden Menschen kompetent zu begleiten und zu unterstützen.

Die Montessori-Pädagogik kommt heute weltweit in Kindergärten (Haus für Kinder), Grundschulen, Haupt- und Realschulen, Gymnasien und auch in Integrationsklassen und Förderschulen zum Einsatz. Montessori-Schulen sind staatlich anerkannt und erfüllen die Vorgaben der Bildungspläne.